Liebe Patientenbesitzer,

aufgrund unterschiedlicher Vorgeschichten gibt es immer wieder Pferde, die sich vom Tierarzt nicht spritzen lassen. Bei manchen ist dies ein Unterfangen mit hohem Gefahrenpotential für den Besitzer und mich durch beispielsweise Steigen und Treten, bei anderen ist überhaupt gar kein Herantreten auf eine Armlänge möglich.

Um diesen Fällen nun stressfrei für das Pferd und ungefährlich für die Menschen gerecht zu werden, biete ich ab sofort Injektionen in den Muskel via Blasrohr an. Dies kann die jährliche Impfung sein oder die Sedierung für die Zahnbehandlung.

Dazu habe ich mir ein hochmodernes Blasrohrset zugelegt, welches in kurzer Distanz wie beispielsweise einem Meter oder sogar auf Weiten bis zu 30 m genutzt werden kann. Insbesondere auf kurzen Distanzen besteht kaum ein Verletzungsrisiko, da dieses spezielle Blasrohr für die Tiermedizin extrem präzise schießt.

Die Abrechnung dazu erfolgt, wie alle meine Leistungen, nach der Gebührenordnung der Tierärzte. Nach GOT Punkt Z4.3H „Injektion mittels Blasrohr zusätzlich“ fällt zum normalen Sedationspreis eine Pauschale von 45 Euro an. Da jedoch auch sonst bei erheblichem Mehraufwand bei einer Injektion ein Zeitfaktor  berechnet wird, liegen die Kosten bei unkooperativen Pferden ungefähr im gleichen Bereich. Der Vorteil liegt jedoch auf der Hand: es ist bedeutend weniger Stress für das Pferd und senkt das Verletzungsrisiko für mich und auch den Besitzer fast auf null.

Sollten Sie Fragen zur Distanzimmobilisation haben so sprechen Sie mich gerne an!

Liebe Patientenbesitzer,

vom 04.-07.April 2019 befinde ich mich in Wiesbaden zum internationalen Zahnkongress der IGFP. In dieser Zeit bin ich nur schwer erreichbar. Meine Vertretung übernimmt meine Kollegin Susanne Benter, erreichbar unter 0173 7440836.

Ab 08.April bin ich wieder wie gewohnt im Dienst.

Bleibt gesund!

Im Oktober erreichte eine Krankheit Brandenburg, die die deutschen Tierärzte bisher nur aus dem Virologiekurs im Studium kannten:
Das West Nile Virus.

In Amerika und auch Australien schon lange verbreitet, wurden zwei Fälle …

Liebe Patienten,
Liebe Besitzer,

Ich wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bleibt gesund und munter und blickt positiv auf 2019!
Vielen Dank für Eure zahlreichen positiven Zuschriften über die letzten Monate, ich habe den Schritt in die eigene Praxis dank Euch bisher keinen einzigen Tag bereut.

Für meine Patienten bin ich die kompletten Weihnachtstage, zwischen den Jahren und an Neujahr erreichbar. Lediglich an Silvester hat mein Telefon einen Abend Urlaub.

Das diesjährige Weihnachtsmodel ist übrigens die bezaubernde Yorkshirehündin Kira, die nicht nur meine Patientin, sondern auch eine gute Hundefreundin meiner Loona ist.

Alles Liebe!
Eure Lena

Liebe Patienten,Liebe Besitzer,Ich wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr….

Gepostet von Tiermedizin mit Herz – Tierarztpraxis Lena Bollinger am Sonntag, 23. Dezember 2018

Die Woche beginnt mit traurigen Nachrichten.

Gestern erreichte mich die Meldung, dass Dr. med. vet. Frank Mutschmann verstorben ist. Ich bin ehrlich fassungslos und geschockt. Frank Mutschmanns Praxis ist nur einen Steinwurf von mir entfernt.

Frank Mutschmann war einer der deutschen Spezialisten für Reptilien und Exoten. Er blickt auf eine lange Karriere mit unzähligen Fachvorträgen, tollen Patientengeschichten, unzähligen Fachbüchern und Publikationen und vor allem einer großen Leidenschaft für unseren Beruf zurück. Frank hatte für jeden Kollegen ein offenes Ohr und wurde nicht müde sein unerschöpfliches Wissen weiterzugeben, engagierte sich auch in unseren Berufsverbänden aktiv.

Die Veterinärmedizin hat einen ihrer ganz, ganz großen, eine Koryphäe, verloren.

Frank, Du wirst schmerzlich fehlen!

Dr. Frank Mutschmann

Fachtierarzt für Reptilien
Fachtierarzt für Parasitologie
Diplomate European College Zoological Medicine
(ECZM, Herpetology)

Liebe Patientenbesitzer,
nachdem ich gut und in Gänze erholt aus meinem Jahresurlaub zurück bin, kann ich Euch aufgrund vermehrter Anfragen für die Zeit „zwischen den Jahren“ ein Angebot machen:

Viele von Euch haben dort Urlaub. Für viele von Euch, die keine Schichtdienste haben, ist der Termin beim Zahnarzt auch immer aus Neue eine organisatorische Herausforderung. Tagsüber frei zu bekommen, wenn man einem normalen Job nachgeht? Oft kaum möglich. Vielleicht hilft Euch in diesem Fall ein Termin zwischen Weihnachten und Neujahr?

Daher habe ich mich dazu entschieden, die Tage zwischen den Jahren nicht nur für Notfälle freizuhalten, sondern für den 27.12, 28.12, 29.12 und 30.12 jeweils einige Zahntermine zu vergeben. Einige Termine sind allerdings schon belegt und um etwas Zeit mit meiner Familie zu verbringen werde ich nur halbtags arbeiten.

Solltet ihr also einen Termin wünschen, dann meldet euch schnellstenmöglich per Whatsapp, Sms, FB Nachricht oder Email!

Wichtig:
Leider sind im Dezember, Januar und Februar nur Termine mit frostfreiem Arbeitsplatz möglich. Das bedeutet: ein isolierter und nicht einfrierender Wasseranschluss und geschlossene Räumlichkeiten – Stallgebäude, Box oder Halle. Wenn ihr Euch unsicher seid, ob Euer Stall dafür in Frage kommt, sprecht mich gerne an. Ein Stromanschluss ist immer erforderlich.🌡️

Wie immer gilt: Sammeltermine sparen Fahrtkosten für den Einzelnen.

Hat mein Pferd Schmerzen? „NEIN, MEIN PFERD HAT KEINE SCHMERZEN!“

So oder ähnlich starten viele Gespräche mit Besitzern. Exemplarisch habe ich das Pferd genannt, man könnte die Tierart aber auch mit Hund, Katze, Meerschweinchen oder anderem ersetzen. Anlass für diesen Post war eine Fortbildung zum Thema „Schmerzmanagement beim Pferd“ in der vergangenen Woche, die ich absolviert habe.

Mehrmals wöchentlich führe ich das darauf folgende Gespräch. Wer jetzt meint, dies läge daran, dass Besitzer das Leiden des Tieres nicht wahrhaben wollen, den muss ich zumindest für den überwiegenden Teil meiner Patienten enttäuschen.Wenn Besitzer den Schmerz ihres Tieres leugnen, dann zumeist aus reiner Unwissenheit. Denn schließlich sind sie der Meinung ihren Liebling zu kennen und zu einem großen Teil entspricht dies der Tatsache. In Summe vor allem auch sicherlich viel besser als ich, wo ich die Tiere im Alltag meist nicht kenne!

Vermutlich kennen auch Kinderärzte diese Konversationen. Ähnlich wie kleine Kindern können unsere Tiere eben leider nicht äußern ob oder was ihnen wehtut. Sie sind darauf angewiesen, dass wir dies erkennen!

Genau diese Wahrnehmung von Schmerzäußerungen ist ein nicht unerheblicher Teil der sechsjährigen Lehre im Tiermedizinstudium. Kann man also von einem Besitzer erwarten, dass er dazu ohne „Anleitung“ in der Lage ist?
Die Antwort lautet ganz klar: Nein!

Jede Tierart hat ihre eigenen Signale Schmerz und Unwohlsein zu äußern, hinzu kommen noch individuelle Besonderheiten des einzelnen Haustieres. Dies erlernen zu wollen sollte aber natürlich jeder Besitzer anstreben.

Die Erläuterungen auf meine anschließenden Nachfragen enthalten oft die gleichen Antworten. Die Top 3 sind:
„Der frisst aber noch“
„Der will sich aber noch bewegen und spielt noch total viel“
„Ich kenne mein Tier, glauben Sie mir – der hat keine Schmerzen!“

Und genau der letzte Satz entspricht häufig nicht der Realität. Bei der Aufnahme der Schmerzanamnese erfrage ich für Besitzer banal wirkende Dinge wie „War er schon immer so kopfscheu?“ „Gähnt ihr Pferd viel und wenn ja wann?“ „Ist das Futter oder der Bereich um den Napf nass nach dem Fressen?“….
Aber all diese unscheinbaren Dinge sind darauf ausgerichtet, die speziesspezifischen Schmerzäußerungen zu erfassen um mir ein umfassendes Bild des Leidensdrucks des Tieres schaffen zu können.

Zunächst möchte ich mich dem allerhäufigsten Mythos widmen: „Der frisst aber noch“
Dadurch, dass ich als Schwerpunkt Zähne behandle führe ich diese Diskussion zumeist einmal am Tag. Leider ist die Futteraufnahme vollkommen ungeeignet um zu beurteilen, ob ein Tier Schmerzen erleidet. Entweder ist der Kandidat eh mäklig, häufig bei Katzen, oder aber er ist, überspitzt gesagt, bereits kurz vor dem Ableben. Dies hat schlichtweg mit dem tief verankerten Überlebensdrang unserer Tiere zu tun. Bis ein Haustier komplett aufhört zu essen, befindet man sich meist schon in einer handfesten Katastrophe. Oft ist die Menge aber schon reduziert und der Besitzer kann dies, gerade bei Pferden, nicht überblicken. Er wundert sich dann, dass das Pferd möglicherweise an Gewicht verliert, obwohl die Futteraufnahme doch noch vorhanden ist. Es ist kaum vorstellbar, welche Zahnbefunde ich schon gesehen habe und die Pferde trotzdem noch entsprechend fraßen! Menschen hätten längst kapituliert. Die noch vorhandene Futteraufnahme ist also als Schmerzanzeichen absolut ungeeignet!

Denn wenn zum Beispiel aus einem Zahn oder einer Fistel der Eiter läuft, dann hilft alles leugnen und schönreden mit der Futteraufnahme nicht – das Tier erleidet Schmerzen und hat ein Anrecht auf Hilfe! Oder würden Sie mit einem eiternden Zahn rumlaufen, weil Essen ja noch irgendwie geht?
Beim Pferd gibt es seit einigen Jahren den sogenannten „Horse Grimmace Scale“. Dieser Bilderchart zeigt verschiedene Abbildungen von Pferdeköpfen mit dem Fokus auf einzelnePartien. Bild 1 zeigt ein gesundes Pferd, Bild 2 ein moderates Schmerzzeichen, Bild 3 ein hochgradiges Schmerzerleben.
Nähere Infos dazu:
https://www.schmerz-bei-tieren.de/pferd-schmerzen

Derzeit erhalten alle Zahnpatienten von mir einen solchen Bogen für ihre Unterlagen. Manchmal sind die Anzeichen so subitl, dass es für den Besitzer Zeit bedarf, die Signale zu erkennen und richtig zu deuten. Es ist aber noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Mythos 2: der Pferd gähnt viel, es ist müde.
Falsch! Häufiges Gähnen beim Pferd, insbesondere vor oder nach dem Reiten, beim Putzen oder in aufregenden Situationen ist ein solider Hinweis auf Magenprobleme, teils auch Magengeschwüre. Dabei ist nicht ein einmaliges Gähnen in der Sonne dösend auf der Koppel gemeint. Aber mehrfach hintereinander, stets in ähnlichen Situationen muss es unbedingt ernst genommen werden.

Mythos 3: Das Pferd lässt sich nicht (mehr) am Kopf anfassen, es ist einfach kopfscheu.
Sicherlich gibt es manche Pferde, die dies nicht mögen. Lässt sich aber ihr Pferd vorne nicht die Lippe anheben und kneift diese eng an die Zähne, so ist dies häufig ein Anzeichen für schmerzende Schneidezähne.

Mythos 4: Das Pferd atmet mit dem Bauch und bläht etwas die Nüstern – es ist eben warm.
Zugegeben: dies kann in seltenen Fällen und bei hohen Temperaturen der Fall sein. Aber auch hier steckt meist entweder ein Atemwegsproblem dahinter, häufiger ist eine gesteigerte Atemfrequenz aber auch ein Hinweis auf Schmerzen.

Mythos 5: Der Hund hechelt viel – ihm ist warm.
Analog zu Mythos 4 deutet beim Hund eine verminderte Belastbarkeit mit starkem Hecheln, insbesondere auch zu Hause, entweder auf ein mögliches Herzproblem hin oder aber anderweitige Schmerzen, nicht selten im Bewegungsapparat, auch ohne erkennbare Lahmheit.

Im folgenden eine kleine, sicherlich nicht vollständige Zusammenfassung für Hund, Katze und Pferd.

Mögliche Schmerzanzeichen des Hundes:

Wiederkehrendes Hecheln, Reproduzierbares Schmatzen oder Lecken des Maules beim Abtasten gewisser Körperstellen, deutliche Muskelspannung einzelner Körperpartien, Unruhe und Wandern, eine aufgekrümmten Brust- und Lebendwirbelpartie, Zögern Treppen zu laufen oder ins Auto zu springen, Kopfscheuheit, vermehrtes Belecken einer Körperstelle

Mögliche Schmerzanzeichen der Katze:

Verkriechen, reduzierte Futteraufnahme, struppiges Fell, häufiges Fauchen, ungewohnte Aggressivität gegenüber Menschen und Artgenossen, Unsauberkeit, eine aufgekrümmten Brust- und Lebendwirbelpartie,

Mögliche Schmerzanzeichen des Pferdes:

Kopfscheuheit, dauernde Gewichtsverlagerung im Minutentakt von einem Bein auf das andere, das Pferd legt sich nicht mehr hin, eine verkrampfte Nüsternpartie, hoher Muskeltonus, eingekniffene, matte Augen und ein verengter Lidspalt, das Gebiss wird im Gegensatz zu früher nicht mehr gerne genommen, Ohrenspiel vermindert bzw. sie die Ohren zusammengezogen und abgeknickt, deutlich sichtbare Bauchatmung, häufiges Gähnen, ungewohnte Aggressivität gegenüber Menschen und Artgenossen, vermehrtes „Giften“, das Pferd lässt sich nur noch schwer einfangen oder verweilt nur noch in der Nähe der Futter/Tränkestelle auf der Koppel, deutlich gestiegene Bissstellen anderer Pferde (Das Pferd ist geschwächt, die anderen Herdenkollegen nutzen die Chance die Rangordnung neu auszufechten), Gewichtsverlust

Dies alles können nur Richtlinien für den Besitzer sein. Am Ende kann ein Außenstehender, der das Pferd selten sieht, oft besser neutral beurteilen, wie das Tier wirkt. Diese „Betriebsblindheit“ beim eigenen Tier ereilt übrigens auch uns Tierärzte und ist keine Schande! Auch wir konsultieren dann einen Kollegen.

Wenn jedoch ihr Tierarzt äußert „Ihr Tier hat Schmerzen“ dann hören Sie bitte darauf und versuchen nicht dies weg zu argumentieren. Um dies zu erkennen haben wir eine lange Ausbildung durchlaufen und der Hinweis darauf wird ohne Vorwurf an Sie gestellt – sondern weil wir Ihrem Liebling helfen möchten. Kein Tier sollte Schmerzen leiden!
Gestehen Sie uns zu, dass wir dies von Außen und aufgrund unseres Berufes dies meist besser beurteilen können, als man es selbst als emotional involvierte Bezugsperson kann.

Eure Lena Bollinger

Foto: Auch diese Katze fraß trotz Nadel im Maul mit dazugehörigem Bindfaden im Magen noch und war nur seit einigen Tagen etwas „unleidlich“

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Wie alle meine Texte darf der Beitrag gerne geteilt werden, jedoch bestehe ich auf mein Urheberrecht und jegliche Kopie oder Vervielfältigung ist untersagt.

Liebe Patientenbesitzer,

ich freue mich Euch mitteilen zu dürfen, dass ich das Leistungsabgebot meiner Tierarztpraxis um einen entscheidenden Teil erweitern werde. Ab Oktober kann ich Euch und Euren Vierbeinern dann für eine optimale Diagnostik digitale Röntgenaufnahmen anbieten. Mit einem hochmodernem, komplett kabellosen System der deutschen Firma Oehm&Rehbein kann ich stromunabhängig in kürzester Zeit Röntgenaufnahmen in höchster Qualität anfertigen. Danke der kabellosen Technologie entfällt das lästige Kabeltrommelabrollen und es befindet sich kein gefährliches Stromkabel in der Nähe der Pferdebeine. Zudem ist es so möglich, auch ein verunfalltes Pferd jederzeit an Ort und Stelle zu röntgen, unabhängig davon, ob ein Stromanschluss besteht.

Die Aufnahmen erhalten Sie, die Klinik oder der Haustierarzt auf Wunsch dann schnellstmöglich per Email.

Mit dieser Investition erweitert sich auch mein Leistungsspektrum um einen entscheidenden Faktor: mit Hilfe der Röntgenbilder kann ich in Zukunft auch Backenzähne extrahieren, die ansonsten zu 2/3 im Kieferknochen verborgen liegen und ohne Strahlendiagnostik nicht zugänglich sind für eine Untersuchung.

Selbstverständlich sind auch Röntgenaufnahmen aller anderer Knochen möglich, auch die sogenannten „Skyline“ Aufnahmen des Strahlbeins. Hierzu ist eine besondere Kassette notwendig, in der die Detektorplatte eingeschoben wird. Das Pferd stellt sich anschließend mit seinem kompletten Gewicht hinauf. Dies wird in der mobilen Praxis von kaum einem anderen Kollegen angeboten.

Ich freue mich darüber das diagnostische Niveau in meiner Praxis dadurch deutlich anheben zu können.

Eure Lena Bollinger

Liebe Patientebesitzer,

So gut wie jeder Pferdebesitzer ist über die Gefahr von Jakobskreuzkraut informiert. Und nachdem sich gerade letztes Jahr aufgrund der Witterung die Fälle von „Hahnentritt (Australian stringhalt)“ massiv häuften ist auch die Bedrohung durch Ferkelkraut besser bekannt.
Weitestgehend unbekannt ist jedoch noch die Graukresse (Berteroa incana) ein Kreuzblütlergewächs, was immer häufiger zu finden ist. Während es frisch meist stehen gelassen wird, sortieren die Pferde es im Heu selten aus.
Wie bei allen Giftpflanzen: die Menge machts!

Anlass für meinen Beitrag ist ein Patient aus dieser Woche.
Ein 37 jähriger (!) Warmblut Wallach wurde hochgradig lahm auf der Koppel gefunden. So einiges habe ich ja schon gesehen, aber dieses Pferd kreierte in mir den Begriff „fest stehend“ analog zu fest liegend – mit drei Mann war er nicht einen halben Meter zu einer Bewegung zu überzeugen. Eine Lahmheitsuntersuchung also völlig unmöglich. Einzig auffällig in der allgemeinen Untersuchung war die erhöhte Herzfrequenz von 64/min – ein Schmerzgeschehen also deutlich. Keine Ödeme, Kreislauf unauffällig.

Ein Pferd ohne Diagnose einzuschläfern ist hart – aber manchmal unumgänglich. Er fraß aber und trank, sodass wir mit den Besitzer entschieden Blut zu nehmen und ihn maximal mit Schmerzmitteln abzudecken. Sollte er bis zum Morgen nicht deutlich besser sein so war dieser Zustand des nicht Hinlegens und nicht Weichen könnens sicher nicht hinnehmbar für ein Fluchtpferd. Spricht aber Tierschutzrechtlich nichts dagegen so bekommt bei mir auch jedes alte Pferd zumindest eine Chance, sofern die Prognose nicht klar infaust und der Leidensdruck zu groß ist. Denn Alter ist keine Krankheit!
Zu diesem Zeitpunkt war ich mir zugegeben nicht sicher, was das Pferd hatte. Den Verdacht der Graukresse äusserte ich, jedoch kenne ich diese Patienten mehr mit Ödemen an den Beinen und Apathie.

Am nächsten Morgen kam dann das Blut und der Verdacht einer Vergiftung wurde konkreter. Zwei Pferde im selben Stall waren wohl im vergangenen Jahr ebenfalls unspezifisch schwer krank. Der alte Wallach zeigte am nächsten Tag nach der hohen Dosis Schmerzmittel eine deutliche Besserung – er lief wieder mit der Herde, gab alle vier Füße und der Puls war deutlich gesunken. Mitlerweile verlagerte er das Gewicht der Beine allerdings wechselnd („shiften“) und zeigte eine beginnende Rehesymptomatik. Wir entschlossen von Tag zu Tag zu entscheiden, wie es weiterging und erweiterten die Therapie neben Schmerzen auf die Rehesymptomatik. Bei stetiger Besserung war der Zustand für einige Tage vertretbar, dauerhaft jedoch definitiv nicht. Am Abend dann rief mich die Besitzerin an: sie hatten nach Suche grosse Mengen Graukresse im Heu gefunden, genau an der Heustelle, an der er meist fraß.

Von Tag zu Tag bessert sich nun der Zustand und ich bin guter Dinge, dass der alte Herr, der sonst übrigens sehr gut aussieht, wieder ganz genesen wird. Heute galoppierte er schon wieder über die Koppel 😀 Gestern zeigten 4 weitere Pferde der Herde nun akute Lahmheit und Beinödeme (die er nicht aufwies).

Ein Apell an dieser Stelle an alle Stallbesitzer: keiner kann etwas dafür, wenn zugekauftes Heu Giftpflanzen enthält und auch auf den eigenen Weiden kann dies vorkommen. Das sind die unangenehmen Seiten der Natur. Entscheidend ist, wie man bei Kenntnisnahme damit umgeht!

Leider ist es fast immer der Fall, dass Stallbesitzer trotz eindeutiger Beweise den Umstand „Giftpflanze“ vehement leugnen. Tatsächlich ist „Vergiftung“ eine gern gesehene Modediagnose, insbesondere von nicht-tierärztlichen „Therapeuten“, wenn man eigentlich nicht weiter weiß. Denn sie nimmt dem Besitzer die Verantwortung für ein Verschulden, daher hören alle Seiten dies gern – es ist dramatisch und vor allem auch gut auf Social Media zu teilen. Sucht man aber genauer findet man bei ca. 60-80% von kranken Tieren eine andere Ursache als eine Vergiftung. Bis ich also dies diagnostiziere, muss ein klarer Beweis vorliegen. Vorher ist immer Zurückhaltung geboten!
Wenn jedoch offensichtlich im Heu auf der Koppel grosse Menge Graukresse zu finden sind bei entsprechender Symptomatik, dann macht mich ein Leugnen im Interesse der Pferde sauer. Denn dann muss man Hand in Hand arbeiten um den Pferden bestmöglich zu helfen

Zusammenfassend können folgende Symptome einzeln oder kombiniert auftreten:
Apathie, Ödeme (vor allem an den Beinen), vermehrte Wärme, fühliges Laufen, Bewegungsunlust und Steifheit, Fieber, Futterverweigerung, Pulsation der Beine -Shiften (Rehesymptomatik), erhöhte Pulsfrequenz (Schmerzbedingt)

Auch wurden schon Fehlgeburten mit Graukresse in Verbindung gebracht. Ein Versterben ist bei der Aufnahme grosser Mengen ebenfalls möglich, wenn auch selten.

Eure Lena Bollinger

Liebe Patientenbesitzer,

damit ich nun auch von Weitem gut erkennbar bin habe ich mein Auto beschriften lassen. Endlich parke ich also nicht länger „inkognito“ auf Eurem Hof.

Eure Lena Bollinger